
Foto links: Eva-Maria Lass (c) Eva-Maria Lass; Foto rechts: Lukas Bittighofer (c) Studio NEXT
Wien, am 2. Juni 2026. Damit eine medizinische Behandlung den bestmöglichen Effekt erzielt, müssen die richtige Diagnose gestellt und die daraus abgeleiteten therapeutischen Maßnahmen akkurat umgesetzt werden. Für Diagnose wie Umsetzung ist neben der „therapeutischen Allianz“ – der vertrauensvollen und kooperativen Beziehung zwischen Mediziner:innen und Patient:innen – die sogenannte Adhärenz von entscheidender Bedeutung. Diese bezeichnet „das aktive, partnerschaftliche Befolgen eines gemeinsam mit Medizinern entwickelten Behandlungsplans durch den Patienten.“[1] Sie gilt als “Goldstandard” in der modernen Medizin und baut auf Expert:innen-Gespräche als Grundlage von Shared Decision Making und der Achtung der Selbstbestimmung der Patientin oder des Patienten.
„Heute wissen wir, dass Patient:innen sich viel wahrscheinlicher an die Anordnungen ihrer Ärzt:innen halten, wenn sie in den Entscheidungsprozess rund um die Behandlung miteinbezogen werden und diese auch verstehen. Das trifft besonders auf langwierige, chronische Erkrankungen zu. Gehorsam funktioniert nur bedingt. Es braucht eine andere Art der Haltung und der Kommunikation“, erklärt Eva-Maria Lass.
Eine dieser Kommunikationsweisen ist die „Columbo-Technik“. Benannt ist sie nach dem ikonischen, von Peter Falk verkörperten TV-Inspektor aus der gleichnamigen Krimiserie, genauer gesagt nach seinem „scheinbar zerstreuten und unauffälligen Ansatz, neugierig zu sein, interessiert und wertschätzend nachzufragen und so entscheidende Informationen zu erhalten und sicherzustellen, dass keine kommunikativen Missverständnisse passieren“, so Lass. Die Columbo-Methode würde dadurch als zeitsparend, respektvoll und lösungsorientiert wahrgenommen werden.[2]
„Österreichische Mediziner:innen zählen zu den besten der Welt. Mit meinem Buch möchte ich sie mit klaren Instrumenten, Strategien und Haltung dabei unterstützen, dass sie im Sinne der Selbstfürsorge-on-the-Job gut geschützt bleiben und für ihre Patient:innen kraftvoll und menschlich agieren“, erklärt Eva-Maria Lass abschließend.
Medizinrecht: Gesammelte Expertise von 40 Jurist:innen
Das Fachbuch „Motivation, Lügen und die Columbo-Technik“ richtet sich vorwiegend an Ärzt:innen und medizinisches Personal, bietet jedoch auch für Patient:innen interessante Einblicke. Ähnlich verhält es sich bei Lukas Bittighofers „Handbuch Medizinrecht“. Der Sammelband ist vor allem als Nachschlagewerk für Beschäftigte im Gesundheitswesen konzipiert – sprich Ärzt:innen, Pfleger:innen, Apotheker:innen etc. Als weitere Zielgruppe kommen hier noch Anwält:innen hinzu.
Die einzelnen Teilbereiche des Medizinrechts werden im Buch von insgesamt 40 Jurist:innen – darunter auch Lukas Bittighofer selbst – im Detail beleuchtet. Die Texte greifen typische Fragen aus der Praxis auf, etwa zum Behandlungsvertrag zwischen Ärzt:innen und Patient:innen, zu werberechtlichen Bestimmungen für Apotheken oder zum Umgang mit Spenden, Sponsoring und Einladungen im Gesundheitsbereich, um nur einige Beispiele zu nennen.
Spannend ist die Lektüre unter anderem auch für Zivildiener, die als Sanitäter eingesetzt werden. Sie unterliegen nämlich bereits seit 2002 dem Sanitätergesetz, welches festlegt, dass „im Unterschied zu anderen Gesundheitsberufsgesetzen […] die Tätigkeit des Sanitäters ehrenamtlich, beruflich, als Zivildienstleistender oder als Teilnehmer des FSJ[3] ausgeübt werden kann.“[4] So haben Zivildiener per se[5] dieselben Rechte und Pflichten wie Berufssanitäter:innen und sind beispielsweise auch nicht vom 2019 in Kraft getretenen Gewaltschutzgesetz ausgenommen. Letzteres verpflichtet sie dazu, sich an Polizei oder Staatsanwaltschaft zu wenden, wenn sich im Dienst der begründete Verdacht einer gerichtlich strafbaren Handlung ergibt (etwa wenn der Zustand eines Patienten schwere Körperverletzung vermuten lässt)[6].
„Das ‚Handbuch Medizinrecht‘ soll helfen, sich in der Komplexität der Vorschriften zurechtzufinden, ohne dabei den Blick fürs Wesentliche zu verlieren“, fasst Lukas Bittighofer zusammen. „Es ist so aufgebaut, wie Probleme im Alltag tatsächlich auftauchen. Ohne unnötige Umwege, sondern verständlich und übersichtlich liefert das Handbuch genau die Informationen, die man benötigt. Für die Praxis heißt das, dass medizinisches Können heute selbstverständlich auch von rechtlicher Klarheit begleitet sein muss.“[7]
Medizinstrafrecht in allen Facetten
Elias Schönborn und Alexander Kern bereiten gemeinsam mit ebenso knapp 40 Autor:innen das in der Praxis immer präsenter werdende Medizinstrafrecht auf und setzen sich zum Ziel das erste eigenständige Werk zu diesem Thema am österreichischen Markt zu lancieren. “Strafrechtliche Vorwürfe gegen Angehörige der Gesundheitsberufe nehmen laufend zu. Mit einem umfassenden aber praxisbezogenen Blick auf die zentralen Themenbereiche des Medizinstrafrechts, Fallbeispielen und wertvollen Praxistipps sollen die teils komplexen Inhalte greifbar gemacht werden und das Handbuch Medizinstrafrecht ein unerlässlicher Wegbegleiter für Mediziner:innen werden” so Schönborn und Kern.
[1] Lass, Motivation, Lügen und die Columbo-Technik (2026) Seite 15
[2] Lass, Motivation, Lügen und die Columbo-Technik (2026) Seite 251
[3] Freiwilliges Soziales Jahr, Anm.
[4] Norbert L. Schmickl in Bittighofer (Hrsg), Handbuch Medizinrecht (2026) Seite 404
[5] U.a. abseits von Arbeitszeitregelungen und Vergütung.
[6] Norbert L. Schmickl in Bittighofer (Hrsg), Handbuch Medizinrecht (2026) Seite 403
[7] Lukas Bittighofer in Bittighofer (Hrsg), Handbuch Medizinrecht (2026) Seite V