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Tag der obdachlosen Menschen am 10. Oktober: VinziRast-mittendrin als Sprungbrett

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Am 10. Oktober stehen diejenigen im Mittelpunkt, die im Alltag oft übersehen werden: Obdachlose beziehungsweise wohnungslose Menschen und jene, die sich in prekären Situationen befinden. Ihre individuellen Geschichten spiegeln wider, wie vielfältig die Gründe sind, die in die Obdachlosigkeit führen. Das Projekt VinziRast-mittendrin im 9. Bezirk zeigt, dass ein Notschlafplatz allein oft nicht ausreicht und welch wichtige Rolle langfristiges Wohnen und Gemeinschaft spielen. 
v.l.n.r. Matty (studentischer Bewohner), Christian Wetschka (Vorstand VinziRast), Veronika Kerres (Obfrau VinziRast), Elena Osenstetter (Standortleitung 1090) - Copyright: YIELD

Wien, 09. Oktober 2026. Zwei Beispiele, die verdeutlichen, wie individuell die Wege aussehen können: Ein Bewohner der VinziRast-mittendrin hielt es in seiner Jugend-WG nicht mehr aus und landete als Jugendlicher auf den Straßen Villachs. Eine Bewohnerin verlor während der Corona-Pandemie ihren Arbeitsplatz und schließlich konnte sie die Miete ihrer Wohnung nicht mehr zahlen. Zwei Lebensgeschichten, die unterschiedlich beginnen und doch an denselben Punkt führen: Obdachlosigkeit. 

Die VinziRast, eine gemeinnützige Organisation, welche wohnungslose und obdachlose Menschen unterstützt, ist eine der Anlaufstellen für Betroffene in Wien. Ein besonderes Konzept stellt das VinziRast-mittendrin dar. Hier leben ehemals obdachlose Menschen mit Studierenden gemeinsam in Wohngemeinschaften. Sie teilen ihren Alltag, übernehmen Verantwortung und finden zugleich einen Raum für Rückzug und Selbstständigkeit. „Im Durchschnitt leben die Bewohner:innen zwei Jahre bei uns. Notschlafstellen bieten unverzichtbare Soforthilfe. Um aber langfristig wieder Fuß fassen zu können, braucht es auch eine verlässliche Beziehung, passende Begleitung und Wohnperspektiven”, weiß
Elena Osenstetter, Standortleitung der VinziRast-mittendrin. 

Steigende Zahlen führen zu steigender Nachfrage 

Im Jahr 2024 lag die Zahl der in Österreich registrierten wohnungs- und obdachlosen Menschen bei 21.073. Das ist ein Anstieg von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mehr als die Hälfte entfällt dabei auf Wien1. Auch die VinziRast, deren Projekte hauptsächlich in der Landeshauptstadt angesiedelt sind, bemerkt diesen Anstieg bei den Anfragen. „Die Nachfrage in unserer Notschlafstelle steigt. Auch bei der VinziRast-mittendrin erhalten wir immer mehr Bewerbungen”, so Veronika Kerres, Obfrau bei der VinziRast. 
 
Gemeinschaft als fixer Punkt 

Bei der VinziRast-mittendrin finden 26 Bewohner:innen in zehn Wohngemeinschaften Platz. Neben den persönlichen Rückzugsräumen gibt es Gemeinschaftsräume, in denen das Zusammenleben stattfindet. „Hier leben Menschen mit unterschiedlichen Geschichten zusammen. Die Gemeinschaft kann Halt geben, gleichzeitig bleiben Eigenverantwortung und Selbstbestimmung zentral”, so Osenstetter. Martina, eine ehemalige Bewohnerin, berichtet von ihren Erfahrungen wie folgt: „Besonders schön fand ich, dass wir füreinander da waren und jeder dem anderen geholfen hat, wenn jemand Unterstützung gebraucht hat. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist mir bis heute sehr positiv in Erinnerung geblieben. Hier konnte ich ankommen und wieder nach vorne schauen. Die VinziRast ist für mich nicht nur ein Ort zum Wohnen, sondern ein Sprungbrett in ein neues Leben.” 

EU möchte Obdachlosigkeit bis 2030 eliminieren – Was muss sich ändern? 

Projekte wie VinziRast-mittendrin können einzelnen Menschen neue Perspektiven eröffnen, das strukturelle Problem jedoch nicht allein lösen. „Obdachlosigkeit darf nicht erst dann Aufmerksamkeit erhalten, wenn Menschen bereits auf der Straße stehen. Hilfsangebote sollten frühzeitig greifen, um Wohnungslosigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen, und den Betroffenen langfristige Wege zurück in ein selbstbestimmtes Leben eröffnen. Außerdem gibt es in vielen europäischen Ländern keine Hilfsangebote für soziale Randgruppen. Es wäre Aufgabe der EU, diese Programme ins Leben zu rufen, damit sich Obdachlosigkeit nicht in wenigen Ländern ballt, in denen die ohnehin geringen Angebote nicht mehr für alle reichen“, so Christian Wetschka, Vorstandsmitglied der VinziRast.
Über die VinziRast
VinziRast ist eine unabhängige, gemeinnützige Organisation, die seit 2003 obdachlose und ehemals obdachlose Menschen unterstützt. Mit Projekten wie der Notschlafstelle, dem CortiHaus, VinziRast-mittendrin, dem Restaurant Lokal mittendrin, dem Beschäftigungsprojekt VinziRast-Chance sowie dem Landwirtschafts- und Gästehausprojekt VinziRast am Land schafft der Verein Perspektiven und Gemeinschaft. Finanziert ausschließlich durch Spenden und getragen zu rund 95 Prozent von freiwilligen Mitarbeiter:innen, setzt VinziRast auf Nähe, Respekt und Solidarität.
Detaillierte Informationen zu den einzelnen Projekten finden Sie unter https://www.vinzirast.at/