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Radikale Studie zwischen Schönheit und Vergänglichkeit: Vera Mercers „still life – life still“ in der Leica Galerie Wien

Vera Mercer
© Christian Rothmann
Zu dieser Meldung gibt es: 7 Bilder
Stillleben sind das Markenzeichen der 1936 in Berlin geborenen Künstlerin Vera Mercer. Im Vergleich zu ihren frühen Werken fallen Mercers als Schaukästen inszenierte Fotografien heute deutlich düsterer und kompromissloser aus. Neobarocke Farbgebung trifft in „still life – life still“ auf Vanitas-Motive rund um Tierkadaver und Blumenarrangements. Die Leica Galerie Wien zeigt die Ausstellung von 23. Oktober 2026 bis 9. Jänner 2027. Der Eintritt ist frei. Die Eröffnung findet in Anwesenheit von Vera Mercer am 22. Oktober statt.

Fishhead, Paris © Vera Mercer (BITTE BEACHTEN Sie die Nutzungsbedingungen des Bildmaterials am Ende des Dokuments)


Wien, 14. Oktober 2026. Gläser, Vasen, Früchte, Pilze, Silberbesteck oder tote Tiere, mal frisch erlegt, mal nur eine Hülle, mal nur ein Gerippe, Kerzenständer, heruntergebrannte oder frische Kerzen, dazu immer wieder Blumen, mal frisch, mal verwelkt. Aus diesen und ähnlichen Elementen kreiert Vera Mercer ihre einzigartigen Stillleben.

Die akribischen Kompositionen wirken nicht zufällig aus der Zeit gefallen. Inspiriert von Jagd- oder Küchenstillleben des 17. Jahrhunderts, muten die Aufnahmen wie Gemälde an. Dass Mercer zum Teil analog fotografiert und neben Fine Art Prints auch Abzüge als Platinotypien – ein in den 1870ern entwickeltes Druckverfahren – manuell herstellt, verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Mit Platinotypien befasst sich Mercer seit 2016 intensiv. Ihr Haus und ihr Fotostudio in Omaha waren einem Feuer zum Opfer gefallen; nicht zuletzt mit der Verwendung klassischer Platindrucke wagte die Künstlerin einen Neuanfang. 

Auch das Leitmotiv von Mercers jüngsten Werken, die ab 23. Oktober in der Ausstellung „still life – life still“ zu sehen sind, hat seinen Ursprung im Vergangenen. Vanitas (lateinisch für „Eitelkeit“ oder „Nichtigkeit“) steht in der Malerei für die Vergänglichkeit alles Irdischen und findet sich besonders häufig in Stillleben des frühen 17. Jahrhunderts. In Mercers zeitgenössischer Fotografie tritt sie als tote Natur zutage, die durch menschliches Handeln am Leben gehalten wird.

Opulenz, Präzision, Klarheit

„Vera Mercer denkt die Tradition der Malerei im Medium der Fotografie neu und entwickelt daraus eine eigenständige Bildsprache des Stilllebens. Statt Reduktion und Minimalismus setzt sie auf Opulenz, barocke Anmutung und eine präzise inszenierte Bildwelt. Ihre Fotografien verbinden malerische Tiefe mit zeitgenössischer Klarheit und lassen die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei bewusst verschwimmen. So entsteht eine zeitlose, unverwechselbare Interpretation des klassischen Stilllebens“, erklärt Miriam Marzura, eine der beiden Managerinnen der Leica Galerie Wien.

Mercers Stillleben gehen auf ihr frühes fotografisches Interesse an Kulinarik und Alltagskultur zurück. Schon in den 1960er-Jahren hielt sie in den Pariser Markthallen von Les Halles das geschäftige Treiben der Händler sowie die Fülle an Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse fest. Die unmittelbare Auseinandersetzung mit unverarbeiteten Lebensmitteln ist bis heute ein prägender Bestandteil ihres fotografischen Schaffens. Zugleich spielt das gemeinschaftliche Essen eine zentrale Rolle: Die für ihre Fotografien sorgfältig arrangierten Speisen sind nicht ausschließlich für die Kamera bestimmt, sondern werden nach der Aufnahme tatsächlich gemeinsam verzehrt. Auch ihre langjährige Erfahrung als Betreiberin und Gestalterin mehrerer Restaurants und kulinarischen Ambientes sind in diesen Arbeiten spürbar. Der präzise Umgang mit Zutaten, Formen, Farben und deren Anordnung verbindet sich mit einem ausgeprägten Gespür für Komposition und Atmosphäre.

Zugleich sind Vera Mercers Werke auch eine Art Selbstporträt – sie verwendet ausschließlich persönliche Accessoires für ihre Bilder. Vom Sog, den diese entwickeln, schreibt der Philosoph Sergio Fabio Berardini in „New Works“[1]: „Der Blick des Betrachters wird von dem Stillleben in den Bann gezogen, auch wenn das Auge nur für kurze Momente abschweift, um sich am chromatischen und semantischen Spektakel zu erfreuen.“


TERMINE UND TIPPS:

Eröffnung der Ausstellung „still life – life still“:
In Anwesenheit von Vera Mercer
Donnerstag, 22. Oktober, 18:30 Uhr
Leica Galerie Wien
Seilergasse 14, 1010 Wien
Ausstellungsdauer: 23. Oktober 2026 bis 09. Jänner 2027
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Nutzungsbedingungen des Bildmaterials:
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[1] Matthias Harder (Hg), Verlag: DVC, 2021
Leica Camera Austria
Das deutsche Traditionsunternehmen Leica Camera AG ist mit zwei Tochtergesellschaften in Österreich vertreten. Die Leica Camera Classics GmbH ist auf historische Kameras und optische Geräte spezialisiert und betreibt das weltweit agierende Auktionshaus Leitz Photographica Auction. Die Leica Camera Austria GmbH ist verantwortlich für den Vertrieb aller aktuellen Leica Kamera- und Sportoptik-Produkte in Österreich sowie Osteuropa und betreibt im Zentrum von Wien einen Leica Store. Dort sind auf 150m² Ausstellungsfläche sämtliche Leica Produkte ausgestellt, im Obergeschoss befindet sich dazu die Leica Galerie, in der laufend Ausstellungen und Events stattfinden.