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Milliardenboom der Prediction Markets: Polymarket-Boom stellt Europas Regulierer vor eine Zerreißprobe

Dr. Robert Oppenheim, Rechtsanwalt bei Osborne Clarke GmbH & Co. KG, und Oscar Riegler, Chief Operating Officer bei Black Manta Capital Partners
© Osborne Clarke / BMCP
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Spätestens seit der Wette auf den US-Luftschlag gegen eine iranische Atomanlage ist klar: Prognosemärkte auf Basis der Blockchain sind längst im Mainstream angekommen – und Europas Aufsichtsbehörden haben darauf noch keine Antwort. Warum das so ist und was die Lage so komplex macht erläutern Experten des Münchner Tokenisierungsdienstleisters Black Manta Capital Partners und der Anwaltskanzlei Osborne Clarke Germany in diesem Beitrag.

Wien/München, 1. Juli 2026 – Etwa zehn Stunden bevor US-Kampfflugzeuge am 21. Juni 2025 die iranische Atomanlage Fordo angriffen, platzierte ein Nutzer unter dem Pseudonym „Skoobidoobnj“ auf der Krypto-Wettplattform Polymarket eine Serie von Wetten auf genau dieses Szenario – insgesamt knapp 9.000 Dollar. Das zeigten Recherchen der österreichischen Tageszeitung Der Standard gemeinsam mit dem Anti-Corruption Data Collective.[1] Ein Einzelfall, der zum Symbol für ein Marktsegment geworden ist, das längst im Mainstream angekommen ist. Was vor einigen Jahren als Spielwiese für Krypto-Enthusiasten galt, ist 2026 ein Markt mit zweistelligen Milliardenvolumina pro Monat. Allein Polymarket und sein US-Konkurrent Kalshi kamen Anfang des Jahres auf ein kombiniertes monatliches Handelsvolumen von rund 26 Milliarden Dollar – gegenüber unter 5 Milliarden Dollar im September 2025. „Damit überrollt das Segment der Krypto-Prognosemärkte den legalen US-Sportwettenmarkt – und zieht sogar zunehmend institutionelle Anleger an“, sagt Oscar Riegler, COO von Black Manta Capital Partners.

Europas regulatorische Leerstelle

Sollte – und kann – ein solcher Markt angemessen reguliert werden? „Während in den USA mit der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zumindest eine Aufsichtsbehörde aktiv eingreift, fehlt in Europa bislang jede einheitliche Linie“, so Dr. Robert Oppenheim, Rechtsanwalt für FinTech bei Osborne Clarke Germany. Im Frühjahr 2026 reagierten Regulatoren in Spanien, den Niederlanden und Frankreich mit Warnungen, Geo-Blocking und Blacklisting. In Deutschland hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) sogenannte Gesellschaftswetten unter ausdrücklicher Nennung von Polymarket bereits als illegales Glücksspiel eingestuft.

„Prognosemärkte sind binnen kürzester Zeit zu einem milliardenschweren Marktsegment geworden, das zunehmend institutionelles Kapital anzieht“, ordnet Oscar Riegler die Entwicklung ein. „Genau das macht die fehlende regulatorische Linie in Europa zum Problem. Institutionelle Investoren brauchen Rechtssicherheit, bevor sie sich engagieren – und die gibt es hier bislang nicht.“

Glücksspiel oder Finanzinstrument – eine Frage mit Folgen

Im Kern der Unsicherheit steht eine juristisch hochkomplexe Frage: Sind die gehandelten Event-Kontrakte als Finanzinstrumente im Sinne der MiFID-II-Richtlinie zu qualifizieren – oder unterfallen sie der nationalen Glücksspielregulierung?

„Die entscheidende Frage ist, wonach man das rechtlich einordnet“, erklärt Robert Oppenheim. „Kontrakte, die sich auf wirtschaftlich relevante Basiswerte wie Inflationsdaten oder Klimavariablen beziehen, könnten als Derivate unter MiFID II fallen. Wetten auf rein politische oder gesellschaftliche Ereignisse dürften dagegen mangels eines tauglichen Basiswerts eher als Glücksspiel zu werten sein. Und das ist in Deutschland außerhalb des Sports schlicht nicht erlaubt bzw. auch nicht genehmigungsfähig.“

„Die Einordnung von Event-Kontrakten ist keine akademische Übung. Sie entscheidet auch darüber, ob Europa ethische rote Linien für den Markt durchsetzen kann", sagt dazu Oscar Riegler. 

Der Fall Fordo als Blaupause für das Dilemma

Genau hier liegt die praktische Brisanz, die der Fall der Iran-Wette offenlegt: „Wäre ein solcher Kontrakt als Finanzinstrument qualifiziert, griffen die strengen Marktmissbrauchsregeln des Kapitalmarktrechts. Handel auf Basis von Geheimdienstinformationen wäre strafbar, und die Plattformen müssten Daten an die Aufsicht liefern“, so Robert Oppenheim. „Die aktuelle Praxis in Europa – das Segment pauschal als illegales Glücksspiel zu verbieten – schafft dagegen ein gefährliches Kontrollvakuum. Das Verbot stoppt den globalen Handel nicht, es entzieht ihn nur der Beobachtung europäischer Behörden.“ Dass Polymarket Kontrakte über US-Soldaten nach öffentlicher Kritik im Iran eigenmächtig löschte, unterstreiche das Dilemma nur: Ohne funktionierende Aufsichtsregeln liegt die ethische und sicherheitspolitische Kontrolle über diese Märkte allein in der Hand privater Plattformbetreiber.

Europas Chance: Klarheit als Wettbewerbsvorteil

Für Oscar Riegler ist die aktuelle Unsicherheit dennoch ein Argument für eine aktive Regulierung – und damit eine Chance für Europa: „Unsere Erfahrung zeigt: Klare aufsichtsrechtliche Leitplanken sind kein Hemmnis, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Markt überhaupt institutionell skalieren kann.“ Auch Dr. Oppenheim sieht darin eine Gestaltungschance: „Die Einordnung von Event-Kontrakten entscheidet darüber, ob Europa hier eigene, wirtschaftlich tragfähige Modelle entwickelt – oder das Feld den US-Plattformen überlässt.“ 

 

[1] https://www.derstandard.at/story/3000000324193/profit-mit-dem-krieg-die-mysterioesen-wetten-auf-polymarket

Black Manta Capital Partners
Black Manta Capital Partners ist in der DACH-Region der führende Full Service-Anbieter von Tokenization as a Service und Haftungsdach-Lösungen. Unter diesem Konzept bietet das 2018 in Luxemburg gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in München und Wien alle notwendigen Dienstleistungen für die digitale Repräsentation von Vermögenswerten auf einer Blockchain für Unternehmenskunden unterschiedlichster Branchen an. Kernphilosophie ist die Nutzung neuester technologischer Innovationen für Projektfinanzierungen und Finanzdienstleistungen. Als federführender Player in diesem Bereich verfügt Black Manta Capital Partners über eine deutsche BaFin-Lizenz und ist damit in allen 27 EU-Staaten reguliert. Zusätzlich existieren eine US-Niederlassung und seit 2023 eine Registrierung als Foreign Broker/Dealer in China mit Repräsentanzen in Hongkong und Shanghai. Weitere Informationen finden Sie unter https://blackmanta.capital/.

Osborne Clarke
Osborne Clarke ist eine internationale Anwaltskanzlei mit Standorten weltweit. Die Kanzlei berät Mandanten an der Schnittstelle von Wirtschaft, Technologie und Regulierung – mit besonderem Fokus auf die Sektoren Digital Business, Financial Services, Energy und Life Sciences. In Deutschland ist Osborne Clarke mit Büros in Hamburg, Berlin, Köln und München vertreten und zählt zu den führenden Beratern im Bereich FinTech, Blockchain und digitale Finanzinstrumente. Das Team um Dr. Robert Oppenheim begleitet Unternehmen bei der regulatorischen Einordnung innovativer Geschäftsmodelle, insbesondere im Spannungsfeld zwischen Kapitalmarkt-, Aufsichts- und Glücksspielrecht. Weitere Informationen finden Sie unter https://www.osborneclarke.com/de/lawyers/dr-robert-oppenheim.