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Konfliktbereitschaft an der Schnittstelle zwischen Legal, Compliance und Gesetzestext

Ankündigungs-Sujet von IN.HOUSE Heft Nr. 0
© Linde Verlag
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Die Qualität firmeninterner Legal- und Compliance-Abteilungen zeigt sich nicht im Vermeiden von Konflikten, sondern deren Handhabung. Wie letztere transparent, strategisch durchdacht und letztlich auch heldenhaft gelingt, beleuchtet die Auftaktausgabe des Magazins IN.HOUSE, die Superheld:innen als Leitmotiv führt. Unter anderem befasst sich die neue Publikation des Linde Verlags dabei mit folgenden Fragen: Welche Stolpersteine aus dem Compliance-Alltag erweisen sich als Kryptonit für österreichische und deutsche Unternehmen? Wie lässt sich in rechtlichen Grauzonen Farbe bekennen, um nicht als Schurke zu gelten? Wie können Sach- und Hintergrundkonflikte unter einen Hut (bzw. ein Cape) gebracht werden? Und wie wandeln sich Rechtsabteilungen durch den unausweichlichen Einsatz von KI?
Ankündigungs-Sujet von IN.HOUSE Heft Nr. 0 (c) Linde Verlag


Wien, am 3. September 2026. Am 14. September launcht der Linde Verlag sein neues Magazin IN.HOUSE. Auf die Vermittlung von Praxiswissen im Rechtsbereich spezialisiert, befasst sich die vierteljährlich erscheinende Publikation unter anderem mit Erfahrungsberichten, Leitfäden, Trends und Innovationen aus der österreichischen und deutschen Unternehmenslandschaft – insbesondere dort, wo Legal, Compliance und Business aufeinandertreffen.

Den (meist unbesungenen) „Superheld:innen“, die an dieser Schnittstelle ihre Arbeit verrichten, ist die Auftaktausgabe von IN.HOUSE gewidmet. So werden etwa jene internen Prozesse beleuchtet, die Unternehmen nicht nur rechtlich absichern, sondern es diesen auch ermöglichen, in der öffentlichen Wahrnehmung als integer und glaubwürdig aufzutreten.

IN.HOUSE ist in vier Bereiche strukturiert: „Inside Legal Departments“, „Compliance Reality“, „Innovation Lab“ und „Out of the Box“. Ein Kernthema, dass “Heft Nr. 0” in sämtlichen Bereichen aufgreift, ist die Konfliktbewältigung als Charakteristikum und Qualitätsmaß im Legal- und Compliance-Alltag.

Die Einladung zum Geschäftsessen als Kryptonit

„Ein Zero-Conflict-Ansatz ist lebensfremd und wird der betrieblichen Praxis moderner Organisationen nicht gerecht: Beziehungen, Netzwerke oder Mehrfachrollen sind oft unvermeidbar und vielfach sogar erwünscht. Entscheidend ist vielmehr ein professioneller Umgang: offenlegen, bewerten, steuern und dokumentieren“, schreibt Dr. Simone Wasserer, Juristin mit Schwerpunkten in im Wirtschafts-, Universitäts- und Organisationsrecht sowie in Compliance, Governance und strategischer Rechtsberatung in ihrem Artikel „Kryptonit im Arbeitsalltag – Was Organisationen von Superman lernen können“.  

Im unternehmerischen Alltag ergeben sich laut Dr. Wasserer zwangsläufig „Risikomomente“, die potentiell den Eindruck von Freunderlwirtschaft, Einflussnahme oder unsauberen Geschäftspraktiken erwecken und Organisationen bei falscher Handhabung ähnlich in die Knie zwingen können wie den Parade-Helden Superman bei Kontakt mit Gesteinsbrocken seines Heimatplaneten Krypton. Unter anderem führt sie Zuwendungen zum Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung als Beispiel an – vom Geschäftsessen nach erfolgreichen Vertragsverhandlungen bis zum Präsentkorb zu Weihnachten. Derartige Praktiken zu verbieten wäre kaum möglich und läge auch nicht im Interesse der Organisationen. Hier brauche es vielmehr klare Gift-&-Hospitality-Regeln, die nicht nur die transparente Erfassung von Zuwendungen bewirken, sondern auch einen Freigabe-Prozess implementieren.
 
Farbe bekennen in der rechtlichen Grauzone

Der richtige Umgang mit heiklen Situationen und potentiellen Konflikten steht auch im Mittelpunkt des Artikels „Grau ist keine Heldenfarbe – Warum Compliance dort Farbe bekennen muss, wo das Recht Spielräume lässt“ von Marie-Christine Gebhart. „Ein verantwortungsbewusstes Unternehmen erkennt man nicht daran, dass es sich nie in Graubereichen bewegt. Das wäre unrealistisch. Man erkennt es daran, wie es sich dort verhält“, schreibt die License- und Compliance-Managerin. Nutzt ein Unternehmen Daten, zu deren Verwendung es zwar berechtigt ist, die für Betroffene aber schwer nachvollziehbar sind? Entscheidet es sich für Formulierungen, die rechtlich zwar zulässig sind, aber mehr verschleiern als erklären?

Wer sein Handeln ausschließlich danach ausrichtet, was der Gesetzgeber erlaubt (Legalität), riskiert Glaubwürdigkeit und Ansehen. Unternehmen müssen sich daher auch die Fragen stellen, was vertretbar ist (Legitimität) und der Unternehmensphilosophie entspricht (Integrität). Die Antworten und in Folge ein fundierter Code of Conduct ergeben sich aus dem Zusammenspiel zwischen Legal, Compliance und Governance. Ihnen obliegt es, eine eigene Regulatorik zu schaffen, die selbst dort greift, wo die gesetzlichen Vorgaben Grauzonen lassen.

Konfliktintelligenz bringt Handlungsfähigkeit

In eine ähnliche Kerbe schlägt der Psychoanalytiker, Jurist und Autor DDr. Alexander Schall. „Wer im Unternehmensumfeld Verantwortung trägt, weiß, wo wirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden, entstehen zwangsläufig unterschiedliche Interessen und Spannungen. Konflikte sind Ausdruck lebendiger Organisationen“, schreibt er in seinem Artikel „Der Konflikt hinter dem Konflikt“.

Auch er plädiert dafür, von der ausschließlichen Betrachtung rechtlicher Aspekte abzuweichen. „Sachlich überzeugende Lösungen“ oder „wirtschaftlich vernünftige Vergleiche“ würden häufig nur den Sachkonflikt, nicht aber den unweigerlich damit verknüpften Hintergrundkonflikt lösen, der sich beispielsweise aus dem Machtgefüge innerhalb eines Unternehmens oder dem Beharren auf imageschädigende Geschäftspraktiken ergibt.

Hier bräuchten Unternehmensjurist:innen „Konfliktintelligenz, also die Fähigkeit, Komplexität auszuhalten, unterschiedliche Perspektiven zu verbinden und auch unter Druck einen gemeinsamen Denkraum offen zu halten“, so DDr. Schall. Wer Konflikte nicht nur rechtlich beurteilt, sondern auch ihre menschliche Dynamik versteht, schaffe mehr als Rechtssicherheit, nämlich die Voraussetzungen dafür, dass Organisationen trotz unterschiedlicher Interessen handlungsfähig bleiben.

Die neuen Rollen von Jurist:innen im KI-Zeitalter

Um Handlungsfähigkeit im weitesten Sinne dreht sich auch der Artikel „Kryptonit oder Superkraft?“ von Kathrin Shahroozi und Matthias Steinbauer. Konkret befassen sich der Softwareentwickler und die Expertin für Legal Tech, KI-Strategie und digitale Transformation in dem Text mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz im Rechtsbereich. Das Thema scheint konfliktbeladener denn je, manche Jurist:innen sehen durch KI ihre Existenz bedroht, andere in ihr ein wegweisendes Tool, das ihre Arbeit erheblich erleichtert.

Ähnlich wie Dr. Wasserer in ihrem eingangs erwähnten Artikel argumentieren auch Shahroozi und Steinbauer, dass der Umgang mit künstlicher Intelligenz darüber entscheidet, ob sich diese letztlich als Kryptonit erweist. Aus dem Berufsleben sei sie jedenfalls nicht mehr wegzudenken und werde die Arbeit von Rechtsexpert:innen maßgeblich verändern: „Der Wert von Jurist:innen bemisst sich künftig weniger daran, wer eine Norm am schnellsten findet, sondern wer sie am klügsten einordnet. Drei Rollen treten in den Vordergrund. Erstens die ausgewiesenen Fachexpert:innen, die Tiefe dort einbringen, wo das Modell an seine Grenzen stößt. Zweitens die Soft Skills: Verhandlungstaktik, Kommunikation, das Gespür für das Unausgesprochene – all das, was sich nicht in einem Prompt abbilden lässt. Drittens, für ein Compliance-Publikum vielleicht die wichtigste: die Rolle als Qualitätssicherung und Risikoträger:in. Die juristische Kernleistung verschiebt sich von der Erarbeitung zur Kontrolle, von „Ich schreibe den Entwurf“ zu „Ich verantworte, dass der Entwurf trägt“.

Nachzulesen sind die erwähnten vier Artikel sowie zahlreiche weitere Textbeiträge in der am 14. September erscheinenden Auftaktausgabe von IN.HOUSE.
Linde Verlag
Der Linde Verlag ist einer der führenden Verlage in den Bereichen Steuer, Wirtschaft und Recht in Österreich und steht seit über 100 Jahren für Fachkompetenz, Innovation und Qualität. 1925 in Wien gegründet umfasst das Verlagsprogramm heute jährlich rund 270 neue Fach- und Sachbücher sowie E-Books, darunter zahlreiche Standardwerke, und 20 Fachzeitschriften. Die Linde Datenbank LinDa bietet mit der LinDa KI schnellen online Zugang zu einer Vielzahl dieser Inhalte. Unter Linde Media stehen exklusive Artikel, der Podcast-Kanal „Am Punkt“ und Videos digital zur Verfügung. Linde Campus bündelt die Weiterbildungsangebote des Verlags mit jährlich bis zu 300 Seminaren und Konferenzen.

Weitere Informationen finden Sie unter lindeverlag.at