Wien, am 17. August 2026. Dass der emotionale Wert von Familie nicht auf einer Gehaltsabrechnung steht, ist unbestritten. Die ökonomische Seite verschwindet dadurch allerdings nicht. Denn fast jede Tätigkeit, die hauptsächlich Mütter täglich unbezahlt übernehmen, wird außerhalb der Familie als professionelle Arbeit vergütet. Und das mit einem Brutto-Monatsgehalt von 6.980 Euro bei 14 Monatsgehältern. Die Arbeitgeber-Vergleichsplattform kununu verdeutlicht die ökonomische Seite hinter der Care-Arbeit anhand einer Modellrechnung, die auf rund 9.200 Gehaltsangaben für Österreich basiert.
8 Berufe gleichzeitig: so viel Gehalt würde eine Mutter für Care-Arbeit bekommen
Kinder betreuen, Mahlzeiten zubereiten, bei Hausübungen helfen, putzen, Fahrdienste übernehmen, kranke Kinder versorgen, emotionale Unterstützung leisten und den Familienalltag koordinieren – und das bis zu 14 Stunden täglich bzw. 98 Stunden pro Woche. Wie viel wäre diese Arbeit also wert, würde man sie zu österreichischen Marktgehältern bezahlen? Für die Modellrechnung wurden acht Tätigkeiten mit dem entsprechendem Durchschnittsgehalt herangezogen und diesen ungefähre Stundenwerte zugeordnet, wobei sich Tätigkeiten überschneiden können.

„Unsere Modellrechnung verdeutlicht die Bereiche, die tatsächlich hinter Care-Arbeit stecken. Was oft als selbstverständlich gilt, hätte einen hohen finanziellen Wert: Die unbezahlte Arbeit einer Mutter würde auf dem Arbeitsmarkt mit einem Brutto-Monatsgehalt von 6.980 Euro entlohnt werden”, erklärt Sandra Bascha, Senior Corporate Communications Manager von kununu.
Unbezahlte Arbeit kostet Frauen bis zu 14.680 Euro pro Jahr
Am Arbeitsmarkt wird die ungleiche Verteilung von Betreuung und Entlohnung sichtbar. Care-Arbeit wird zwar nicht bezahlt, erscheint aber dennoch auf dem Gehaltszettel – als Einkommen, das nicht erzielt wird. Wer den größeren Teil der Betreuung übernimmt, arbeitet häufiger in Teilzeit, unterbricht die Karriere oder verzichtet auf eine Führungsposition. Die Folgen zeigen sich in geringeren Einkommen, langsameren Gehaltsentwicklungen, weniger Aufstiegschancen, geringeren Pensionsansprüchen und größerer finanzieller Abhängigkeit.
Eine kununu Auswertung österreichischer Gehaltsangaben zeigt: Am Anfang des Berufslebens beträgt die durchschnittliche Lücke zwischen Frauen und Männern rund elf Prozent, nach mehr als zehn Jahren sind es bereits 22 Prozent. Das entspricht einer jährlichen Differenz von 4.347 Euro bei bis zu einem Jahr Berufserfahrung und bereits 14.680 Euro nach mehr als zehn Jahren. Der Gender Pay Gap nimmt mit der Berufserfahrung deutlich zu. Die Phase, in der sich die Schere besonders öffnet, fällt häufig in jene Lebensjahre, in denen Familien gegründet und Betreuungspflichten verteilt werden.
„Die entscheidende politische Frage ist deshalb: Wie werden die zeitlichen, beruflichen und finanziellen Folgen dieser Verantwortung verteilt? Solange vor allem Frauen ihre Erwerbsarbeit reduzieren, Betreuungslücken auffangen und den Mental Load tragen, bleibt Familie für sie sehr wohl ein Rechenbeispiel – beim Einkommen und auf dem Pensionskonto“, so Sandra Bascha von kununu.
Methodik:
Für den Wert der Kinderbetreuung wurden 9.214 kununu Gehaltsangaben für Österreich aus den vergangenen drei Jahren ausgewertet. Da sich Betreuung, Haushalt, Organisation und emotionale Begleitung im Alltag überschneiden können, verstehen sich die 14 Stunden als erweiterte Belastungs- und Verfügbarkeitsrechnung – nicht als exakt voneinander abgrenzbare Arbeitszeit.
Der Berechnung des Gender Pay Gaps liegen 394.500 Gehaltsangaben von Beschäftigten aus Österreich zugrunde, die bis 14. August 2026 abgegeben wurden. Diese wurden in fünf Erfahrungsstufen (von unter 1 Jahr bis über 10 Jahre) gegliedert und je Stufe das durchschnittliche Gehalt von Frauen und Männern berechnet. Der unbereinigte Gender Pay Gap zeigt die prozentuale Differenz zwischen diesen Durchschnittswerten.