Sandra Bascha, External Communications von kununu (c) Rafaela Pröll
Wien, am 30. Oktober 2026. „Mehr Dienstjahre bedeuten im Schnitt auch eine größere Gehaltsschere“, erklärt Sandra Bascha, External Communications von kununu. „Bei drei bis sechs Jahren Berufserfahrung liegt das Arbeitsentgelt von Frauen 13,5 Prozent unter jenem der Männer. Bei über zehn Jahren Berufserfahrung beträgt der Unterschied bereits 19,5 Prozent. Traditionelle Geschlechterrollen in der Familie – die meist ja erst dann gegründet wird, wenn man schon mitten im Berufsleben steht – tragen in großem Ausmaß zu dieser Entwicklung bei. Allerdings ist der Einkommensunterschied schon ab dem ersten Tag im Job vorhanden. Berufseinsteigerinnen verdienen im Schnitt 12,4 Prozent weniger als ihre männlichen Pendants.“
Die Zahlen stammen aus der aktuellen Auswertung von kununu, die auf 75.844 Gehaltsangaben (Brutto-Jahresgehälter) von Arbeitnehmer:innen in Österreich basiert. Anders als bei der Berechnung des Equal Pay Day[1] analysiert kununu ausschließlich Daten aus dem laufenden Kalenderjahr[2] und zieht neben Voll- auch Teilzeitjobs in Betracht[3]. Diese Daten zeigen unter anderem, dass österreichische Männer 2026 durchschnittlich 54.919 Euro verdienen, Frauen hingegen nur 46.119 Euro und somit um 16,0 Prozent weniger. Das bedeutet eine leichte Verbesserung zum Vorjahr; 2025 hatte die Differenz noch 17,12 Prozent betragen.
Die Auswertung liefert auch spezifische Einblicke in verschiedene Teilbereiche des Arbeitsmarkts. Beispielsweise lässt sich aus ihnen nicht nur der Gender Pay Gap beim Berufseinstieg ablesen, sondern auch, in welchen Jobs die Gehaltsschere am kleinsten beziehungsweise größten ausfällt. So gab es 2026 nur vier Jobs, in denen Berufseinsteigerinnen mehr verdienten als Berufseinsteiger:
· Service-Mitarbeiterin in der Gastronomie (plus 4,1 Prozent)
· Logistikerin (plus 3,1 Prozent)
· IT-Support (plus 2,1 Prozent)
· Kaufmännische Angestellte (plus 0,2 Prozent)
Die vergleichsweise schlechtesten Konditionen fanden hingegen Customer-Service-Managerinnen und Vertriebsmitarbeiterinnen vor. Ihre Gehälter waren im ersten Berufsjahr im Schnitt um 14,7 Prozent beziehungsweise 15,0 Prozent niedriger als jene ihrer frisch gestarteten männlichen Kollegen.
Feste Gehaltsbänder und Zuschläge
Häufig spiegeln die Teilbereiche weitreichende Tendenzen wider. So bleibt der IT-Support auch bei wachsender Berufserfahrung eine Ausnahmeerscheinung; hier verdienen Frauen generell um 0,8 Prozent mehr als Männer. „IT-Support ist ein klassisches Beispiel für ein Berufsfeld, in dem Ausbildung und Qualifikation nicht nur tonangebend sind, sondern sich auch im Gehalt niederschlagen. Stufensysteme mit Gehaltsbändern tragen dazu bei, dass der Entgelt für Frauen im Karriereverlauf nicht hinter jenen der Männer zurückfällt“, so Sandra Bascha.
Nur bei einem einzigen anderen Job schlägt die Gehaltsschere in diese Richtung aus – Buchhalterinnen werden um 0,7 Prozent besser bezahlt (beim Berufseinstieg liegen sie noch um 0,8 Prozent hinter den Männern). Anders die Situation für Vertriebsmitarbeiterinnen, die nach 15 Prozent in den ersten drei Berufsjahren auch in der generellen Auswertung eines der größten Gehaltsgefälle aufweisen (19,9 Prozent).
„Wo Einkommen stark an Provisionen, Ziele und Kundengebiete gekoppelt sind, wächst der Gehaltsunterschied mit steigender Berufserfahrung. Unterschiede bei Gehaltsverhandlungen zum Einstieg können sich über Provisionen und Gehaltsrunden über Jahrzehnte hinweg fortschreiben“, erklärt Sandra Bascha. „Anders sieht die Ausgangslage etwa beim Berufseinstieg als Service-Mitarbeiterin aus. Dass Frauen hier in puncto Gehalt vor den Männern liegen, dürfte unter anderem auf unterschiedliche Einsatzbereiche und die damit gekoppelten Zuschläge zurückzuführen sein. Männer arbeiten in der Gastronomie häufiger in der Küche oder als Hilfskräfte. Dadurch erhalten weniger Männer als Frauen die Abend-, Wochenend- und Feiertagszuschläge, die im Service weit verbreitet sind."
Branchen und Bundesländer
Wie bei den Jobs zeigt sich auch im Branchenvergleich eine enorme Schwankungsbreite. So wurden 2026 im Tourismus-Sektor nahezu gleiche Gehälter für Männer und Frauen gezahlt. Letztere verdienen im Schnitt 0,1 Prozent weniger. Auf den weiteren Plätzen in den Top 5 dieses Rankings:
· Maschinenbau (6,0 Prozent)
· Druck/Verpackung (7,2 Prozent)
· Automobil (9,6 Prozent)
· Bau/Architektur (9,8 Prozent)
Am anderen Ende des Spektrums finden sich in den Bottom 5:
· Banken (16,2 Prozent)
· Versicherung (16,4 Prozent)
· Dienstleistung[4] (16,7 Prozent)
· Bildung (17,2 Prozent)
· Telekommunikation (18 Prozent)
„Die große Kluft zwischen den Branchen Maschinenbau und Telekommunikation, lässt sich unter anderem dadurch erklären, wie Gehälter entstehen: Wo Führungs- und Spezialist:innenrollen besonders hoch vergütet werden und Aufstiegswege weniger klar sind, wächst der Abstand", so Bascha.
Auch von Bundesland zu Bundesland variiert der Einkommensunterschied deutlich:
· Burgenland (11,7 Prozent)
· Wien (15,3 Prozent)
· Niederösterreich (15,7 Prozent)
· Oberösterreich (16,7 Prozent)
· Kärnten (17,0 Prozent)
· Vorarlberg (17,2 Prozent)
· Salzburg (17,9 Prozent)
· Tirol (18,0 Prozent)
· Steiermark (19,2 Prozent)
Die gesamte Auswertung mit sämtlichen Daten finden Sie
HIER.
[1] Die österreichische Arbeiterkammer berechnet den Equal Pay Day anhand der aktuellsten verfügbaren Lohnsteuerstatistik. Im Fall des Equal Pay Days 2026 ist das die Lohnsteuerstatistik des Jahres 2024. Diese zeigt einen geschlechtsspezifischen Einkommensunterschied von 15,51 Prozent, wobei das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen (Vollzeit) der Männer als Grundwert definiert ist. 15,51 Prozent von 365 (Tage im Jahr 2026) sind 56,61.
[2] Konkret Gehaltsangaben, die zwischen 1. Jänner 2026 und 1. Oktober 2026 von Arbeitnehmer:innen in Österreich abgegeben wurden.
[3] Die Teilzeitgehälter werden anhand der Stundenanzahl auf Vollzeit hochgerechnet.
[4] Eine eigene Rubrik auf kununu.com.