Die Renditen von US-Staatsanleihen sind zuletzt weiter gestiegen. Diese Entwicklung lässt sich jedoch nur bedingt mit zunehmenden Inflationssorgen erklären. Die langfristigen Inflationserwartungen des Marktes bleiben vergleichsweise stabil. Gleichzeitig könnte der anstehende US-Verbraucherpreisindex zum entscheidenden Faktor für die Erwartungen an den nächsten Zinsschritt der Federal Reserve werden. Darüber hinaus rückt ein strukturelles Thema stärker in den Vordergrund: Staaten und Unternehmen konkurrieren zunehmend um Kapital, während insbesondere hohe Investitionen in KI-Infrastruktur den privaten Finanzierungsbedarf zusätzlich erhöhen.
US-Inflation: CPI könnte Fed-Erwartungen entscheiden
Die diesen Freitag anstehenden US-Verbraucherpreisdaten könnten entscheidend dafür werden, wie der Markt den nächsten Zinsschritt der Federal Reserve bewertet. Die Erwartungen seien derzeit nahezu ausgeglichen. Während die Kern-PCE-Inflation bei 3,5 Prozent liegt, beträgt die Kern-CPI-Inflation 2,5 Prozent. In den vergangenen rund 20 Jahren lag die PCE-Inflation im Durchschnitt etwa 30 Basispunkte unter der CPI-Inflation. Ein Grund dafür ist, dass der PCE-Index Veränderungen im Konsumverhalten beziehungsweise Substitutionseffekte stärker berücksichtigt. Vor diesem Hintergrund ist die derzeitige Prämie der Kern-PCE- gegenüber der Kern-CPI-Inflation ungewöhnlich. Eine Kern-CPI-Inflation von 2,5 Prozent hält er längerfristig grundsätzlich für mit dem Inflationsziel der Fed vereinbar. Entsprechend könnten die kommenden CPI-Daten eine wichtige Rolle dabei spielen, ob der Markt an einer weiterhin restriktiven Fed festhält.
Inflationserwartungen: TIPS bleiben auffällig stabil
Auch am Anleihemarkt zeigt sich bislang keine deutliche Verschiebung der langfristigen Inflationserwartungen nach oben. Obwohl die Ölpreise gestiegen sind und die Renditen von US-Staatsanleihen seit Ausbruch des Krieges deutlich zugelegt haben, blieben die zehnjährigen TIPS-Breakeven-Raten weitgehend verankert. Dabei handelt es sich um die aus dem Vergleich zwischen klassischen und inflationsgeschützten US-Staatsanleihen abgeleiteten Inflationserwartungen des Marktes. Die Stabilität spricht dafür, dass der Renditeanstieg nicht allein mit der Sorge vor einer neuen Inflationsspirale erklärt werden kann. Anleger, die von einem stärkeren inflationären Effekt des kriegsbedingten Angebotsschocks ausgehen, können inflationsgeschützte US-Staatsanleihen derzeit sogar zu niedrigeren Breakeven-Raten erwerben als vor Beginn des Konflikts.
Staatsverschuldung und KI-Investitionen erhöhen den Kapitalbedarf
Der stärkere Belastungsfaktor für den Bondmarkt liegt derzeit auf der Angebotsseite. Das hohe Tempo bei der Emission von Staatsanleihen trifft seiner Einschätzung nach zunehmend auf eine Nachfrage, die mit dem zusätzlichen Angebot nicht vollständig Schritt hält. Damit werden höhere Renditen erforderlich, um ausreichend Kapital anzuziehen. Parallel wächst der Finanzierungsbedarf des privaten Sektors. Besonders die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur und entsprechende Capex-Programme führen dazu, dass Unternehmen zusätzliches Fremdkapital aufnehmen. Damit treffen anhaltend hohe staatliche Defizite und ein steigender privater Kapitalbedarf zunehmend gleichzeitig auf die Finanzmärkte.
Liquidität wird zum Schlüsselfaktor für den Bondmarkt
Für die weitere Entwicklung der Anleihemärkte dürfte daher nicht allein die Inflationsentwicklung entscheidend sein. Es ist vielmehr das Zusammenspiel aus umfangreicher staatlicher Neuverschuldung und steigender privater Kreditaufnahme als wesentlicher Faktor für den aktuellen Renditedruck. Sollte die Nachfrage nach Anleihen nicht entsprechend zunehmen, könnten höhere Renditen notwendig bleiben, um das wachsende Angebot aufzunehmen. Eine Entlastung könnte nach seiner Einschätzung etwa durch zusätzliche Liquidität der Zentralbanken oder regulatorische Anpassungen entstehen, die Banken einen stärkeren Anreiz zum Kauf von Staatsanleihen geben. Ohne entsprechende Maßnahmen dürfte das Umfeld am globalen Bondmarkt vorerst anspruchsvoll bleiben.
Fazit
Für den Kryptomarkt bleibt damit vor allem die Entwicklung der globalen Liquidität entscheidend. Anhaltend hohe Renditen und ein wachsender Kapitalbedarf von Staaten und Unternehmen können Risikoassets wie Bitcoin kurzfristig belasten, während nachlassender Zinsdruck und eine weniger restriktive Geldpolitik wieder für Rückenwind sorgen könnten.