Wien, am 06. Oktober 2026. Eigentlich wollten Alexander und Richard Angerer Mitte der 1990er-Jahre zunächst nur ein Problem im eigenen Umfeld lösen. Die Familie war mit der „Witwe Bolte“ am Wiener Spittelberg selbst in der Gastronomie tätig und kannte damit die täglichen Herausforderungen rund um Belege, Abrechnung und betriebliche Kontrolle aus erster Hand. Weil die beiden Brüder aus der Softwareentwicklung kamen, entstand daraus eine naheliegende Frage, warum sie nicht selbst eine Lösung entwickeln, die diese Abläufe einfacher macht?
In einem kleinen Kellerraum wurde programmiert, getestet und gemeinsam mit Gastronomen weitergedacht. Zu einer Zeit, als Touchscreens in der Branche noch keineswegs Standard waren, experimentierten die Angerers bereits mit Touch-Folien und digitalen Prozessen. Entscheidend war dabei von Anfang an weniger die Technologie an sich als ihr praktischer Nutzen: Die Software sollte im laufenden Gastronomiebetrieb funktionieren und konkrete Probleme lösen.
Aus einer Idee wurde ein Unternehmen
Was ursprünglich für den Eigenbedarf gedacht war, fand schnell auch außerhalb des eigenen Betriebs Interesse. Aus der Softwarelösung der beiden Brüder entwickelte sich TiPOS und damit Schritt für Schritt ein eigenständiges Unternehmen mit heute 18 Mitarbeitenden. Mittlerweile sind mehr als 15.000 digitale Systeme lizenziert, diese werden in Österreich, Deutschland und der Schweiz eingesetzt.
Trotz dieses Wachstums blieb ein wesentliches Merkmal unverändert. TiPOS ist nämlich bis heute familiengeführt und, der Anspruch, Lösungen nahe an der betrieblichen Realität zu entwickeln, zieht sich durch die vergangenen drei Jahrzehnte. Für Richard Angerer ist genau diese Kombination aus technischer Entwicklung, Nähe zur Gastronomie und langfristigem Unternehmertum ein wesentlicher Teil der TiPOS-Geschichte.
Nächste Generation bereits an Bord
Mit Romeo und Zoe Angerer, den Kindern von Geschäftsführer Richard Angerer, arbeitet inzwischen die nächste Generation im Unternehmen mit. Somit trifft die Erfahrung aus drei Jahrzehnten auf neue Perspektiven und einen selbstverständlichen Umgang mit Themen wie Digitalisierung und künstlicher Intelligenz.
Romeo Angerer, der als Techniker bei TiPOS tätig ist, sieht darin keinen klassischen Generationenwechsel: „Ich bin mit TiPOS aufgewachsen und weiß, wie eng das Unternehmen mit unserer Familie verbunden ist. Für uns geht es aber nicht darum, einfach nur Bestehendes zu übernehmen, sondern eigene Ideen einzubringen und TiPOS gemeinsam weiterzuentwickeln.“
Sein Vater Richard Angerer blickt beim Jubiläum deshalb auch stark nach vorne: „30 Jahre sind ein schöner Meilenstein und wir konnten bereits viel erreichen. Für mich ist aber genauso entscheidend, was in den kommenden Jahren passiert. Dass die nächste Generation bereits mitarbeitet und eigene Ideen einbringt, gibt uns die Möglichkeit, TiPOS weiterzuentwickeln und gleichzeitig das zu bewahren, was uns als österreichisches Familienunternehmen ausmacht.“
Technologie und Unternehmertum haben in der Familie Angerer schon länger Tradition. Bereits Richard Angerers Vater war als Softwareentwickler tätig. Der Generationswechsel ist bei TiPOS damit weniger ein harter Schnitt als ein Weitergeben von Erfahrung, Verantwortung und unternehmerischem Know-how.
Gleicher Anspruch mit neuen Möglichkeiten
Dass sich die Anforderungen der Gastronomie seit 1996 grundlegend verändert haben, zeigt sich auch an der Weiterentwicklung der TiPOS-Lösungen. Aus der ursprünglichen Kassenlösung ist über die Jahre eine Plattform für unterschiedliche betriebliche Abläufe geworden. Künftig wird dabei auch künstliche Intelligenz eine stärkere Rolle spielen.
Die Grundidee dahinter unterscheidet sich dabei kaum von jener vor 30 Jahren: Die Technologie soll den Gastronomen konkrete Arbeit abnehmen. So können neue KI-Funktionen beispielsweise Speisekarten automatisiert einlesen und daraus Artikel, Preise und Warengruppen für die Kasse anlegen. Zudem sollen individuelle betriebliche Auswertungen über einfache Fragestellungen erstellt werden können. Ein KI-gestützter Journaldetektiv erkennt außerdem Auffälligkeiten bei Stornos, Einladungen und anderen Kassenvorgängen, und auch datenbasierte Betriebssteuerung, etwa über die Business-Intelligence-Lösung ZAGU, ist Teil dieser Weiterentwicklung.
So schließt sich der Kreis. Was vor 30 Jahren mit zwei Brüdern und dem Anspruch begann, den eigenen Gastronomiebetrieb mit einer besseren Lösung zu unterstützen, wird heute von zwei Generationen gemeinsam weiterentwickelt. Technologien, Anforderungen und Möglichkeiten werden sich auch künftig verändern. Der Kern von TiPOS bleibt jedoch bestehen und liegt in praxisnahen Lösungen aus der Branche für die Branche und weiterhin in den Händen eines österreichischen Familienbetriebs.
1 Pro Betrieb können mehrere Systeme installiert sein.