Die Kamera des Ur-Paparazzos: Die Leica MP-368 'Tazio Secchiaroli (c) Leitz Photographica Auction
Wien/Wetzlar, am 13. Mai 2026. „Sämtliche Kameras, Objektive und sonstigen Fotografie-Utensilien, die uns Jahr für Jahr angeboten werden, in unsere Saalauktion aufzunehmen, ist aus Zeitgründen nicht möglich. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, heuer zusätzlich eine reine Online-Versteigerung unter dem Titel
‚Leitz ON‘ auszurichten“, erklärt Alexander Sedlak, Geschäftsführer von Leitz Photographica Auction.
Von 13. Mai bis 14. Juni kann auf die „Leitz ON“-Lose geboten werden. „Die Schätzpreise rangieren von hohen dreistelligen bis zu niedrigen fünfstelligen Eurobeträgen“, so Alexander Sedlak. Extravagante Raritäten, auch aus dem hochpreisigen Segment, gebe es hingegen in der 48. Leitz Photographica Auction zu erstehen, die am 13. Juni in der Leica Welt in Wetzlar vonstatten geht. Gebote können live im Saal, am Telefon, aber ebenso online abgegeben werden.
Rarität in Schwarz(lack)
Eine der erwähnten Raritäten ist die Leica MP-33 in Schwarzlack. Mit einer Gesamtproduktion von lediglich 402 Exemplaren – davon nur 141 schwarz lackiert – zählt die „M Professional“ (MP) zu den seltensten je gefertigten Leica Kameras. Speziell für die Reportage-Fotografie entwickelt, geht ihr Konzept auf die Anregungen namhafter amerikanischer Pressefotografen wie Alfred Eisenstaedt und David Douglas Duncan zurück, die ihre M-Kameras mit den funktionalen Vorteilen des Leicavit-Schnellaufzugs kombinieren wollten, der zuvor ausschließlich für die Leica IIIf verfügbar war. Das hier angebotene Exemplar mit der Seriennummer MP-33 wurde am 29. Juli 1957 an den Leica-Vertreter Brandt in Schweden ausgeliefert und wird zusammen mit einem passenden Leicavit in Schwarzlack sowie einem Summicron 2/5cm Objektiv (Nr. 1474885) in Schwarzlack mit Messingfassung angeboten.
Die Kamera des ersten Paparazzo
Auch die verchromten MP-Varianten – mit einer Produktionszahl von lediglich 261 Stück – erfreuen sich innerhalb der Sammlerszene enormer Beliebtheit. Ein besonders bemerkenswertes Exemplar mit herausragender Provenienz wird nun im Rahmen der 48. Leitz Photographica Auction präsentiert. Die Leica MP Nr. 368, ausgeliefert am 1. Januar 1958, ist als persönliches Arbeitsgerät von Tazio Secchiaroli dokumentiert. Bekannt wurde der Fotograf für seine dynamischen, ungestellten Aufnahmen berühmter Persönlichkeiten entlang der Via Veneto in Rom in den späten 1950er-Jahren. Secchiaroli prägte nicht nur den zeitgenössischen Fotojournalismus, er diente auch als Inspiration für eine – inzwischen legendäre – Figur in Federico Fellinis La Dolce Vita (1960). Der Name dieser Figur lautet „Paparazzo“ und ging schließlich als Bezeichnung einer neuen Strömung innerhalb der Reportage-Fotografie in die Geschichte ein.
Pionier der Bildstabilisierung
Auch historisch relevantes Kamerazubehör steht im Fokus der 48. Leitz Photographica Auction. Eines der seltensten und außergewöhnlichsten Geräte, die Leica je herstellte, ist in dieser Hinsicht das E. Leitz New York Leica Gun RIFLE. Inspiriert von Commander Attilio Gatti, einem renommierten Tierfotografen, sollte das RIFLE den Einsatz von Teleobjektiven erleichtern und verwackelte Bilder bestmöglich verhindern. Es fand daher nicht nur in der Wildtierfotografie, sondern vor allem in der Sportberichterstattung Anwendung. Die Angaben zur Gesamtstückzahl variieren, doch erscheint eine Produktion von lediglich 12 bis 14 Exemplaren des E. Leitz New York Gun RIFLE realistisch. Auffällig an ihnen ist unter anderem der besondere Sucher mit der Gravur „Patent Pending“.
Lumière Cinématographe Set
Ein Stück Kinogeschichte steht bei der kommenden Auktion mit dem Lumière Cinématographe Nr. 207 zum Verkauf. Von Auguste und Louis Lumière patentiert, war der Cinématographe das erste praxistaugliche Gerät, das Aufnahme, Druck und Projektion von Bewegtbildern in einem kompakten, handbetriebenen Mechanismus vereinte. Seine öffentliche Premiere feierte der Cinématographe am 28. Dezember 1895 im Salon Indien des Grand Café in Paris – diese erste kommerzielle Filmvorführung vor zahlendem Publikum gilt weithin als Geburtsstunde des Kinos. Welcher Cinématographe damals konkret verwendet wurde, ist nicht überliefert. Feststeht allerdings, dass sich das technisch ausgefeilte und zugleich leicht transportable Lumière-System rasch in Europa und darüber hinaus verbreitete und den Grundstein für die Etablierung von Bewegtbild als eigenständige Industrie legte.
Live vor Ort, schriftlich, online oder telefonisch
Die 48. Leitz Photographica Auction findet am 13. Juni ab 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit in der Leica Welt in Wetzlar (Hessen) statt. Gebote können vorab online (
www.leitz-auction.com), schriftlich oder telefonisch eingereicht werden. Live-Gebote während der Auktion sind auf
www.leitz-auction.com und
www.liveauctioneers.com möglich.
Im Herbst organisiert das Auktionshaus Leitz Photographica Auction zwei weitere Versteigerungen. Am 9. Oktober findet die Fotografie-Auktion „Perspectives“ in der Leica Galerie Wien statt. Am 28. November folgt die 49. Leitz Photographica Auction, erneut in der Leica Welt in Wetzlar.